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Internationaler Ibsen-Preis geht an Ariane Mnouchkine

28.05.2009
Den Internationalen Ibsen-Preis für das Jahr 2009 erhält die französische Theaterregisseurin Ariane Mnouchkine. Mnouchkine gründete 1964 in Paris die avantgardistische Theatergruppe Théâtre du Soleil. Seit 45 Jahren fasziniert ihre Theaterkunst das französische Theaterpublikum und Theaterliebhaber in der ganzen Welt und das Théâtre du Soleil war lange das Symbol für eine neue Form von gemeinschaftlicher, schöpferischer Theaterarbeit. Der für die Verleihung des Preises zuständige Ausschuss unterstreicht, dass alle, die ihre Inszenierungen gesehen haben, "aus ihnen zurückkehren mit dem Gefühl, Zeugen eines Abenteuers geworden zu sein".

Ariane Mnouchkine. Foto: (c) Michele Laurent
Ariane Mnouchkine wurde am 3. März 1939 in Boulogne-sur-Mer in Nordfrankreich geboren. Während ihres Studiums an der Sorbonne gründete sie ihre eigene Theatergruppe, L’Atelier Théâtral des Etudiants de Paris, die 1964 in Théâtre du Soleil umbenannt wurde. 1970 zog das Theater in die östlich von Paris gelegene ehemalige Munitionsfabrik La Cartoucherie von Vincennes, einem verlorenen Ort, den das Théâtre du Soleil nach und nach, unabhängig von Institutionen und den etablierten Theaterkreisen, in ein Zentrum des französischen Theaters verwandelte. Mnouchkines Inszenierungen umfassen antike Tragödien, Dramen von Shakespeare, Molière, Arnold Wesker und Hélène Cixous, die oft von östlichen Theatertraditionen wie dem japanischen Kabuki und dem indischen Kathakali inspiriert sind.

Der Ausschuss für den Internationalen Ibsen-Preis begründet die Preisverleihung wie folgt:
      Alle, die eine von Ariane Mnouchkines Inszenierungen am Pariser Théâtre du Soleil gesehen haben, kehren aus ihnen mit dem Gefühl zurück, Zeugen eines Abenteuers geworden zu sein. Zeugen von etwas, das größer ist als das Leben und gleichzeitig vom Leben selbst handelt. Es ist eine Reise, die neues Wissen über die Geschichte und die Gesellschaft vermittelt, die sowohl die Gedanken- als auch die Gefühlswelt bereichert und bereits durch ihre Theatersprache das Publikum mit einem paradoxen Glauben an die Zukunft erfüllt.
      Man sagt, das Theater habe seinen Ursprung in Ritualen; wenn dem so ist, dann ist Ariane Mnouchkines Theater ein Beweis dafür, dass die Quellen des Rituals nicht ausgetrocknet sind. Sie sammelt Menschen um sich, um von den großen Zivilisationskrisen, von den Kriegen in alter Zeit bis hin zu den Verfolgungen und Flüchtlingsströmen unserer Tage zu erzählen. Doch aus diesen Erzählungen von Krisen und unheilvollen Tragödien erwächst eine starke - und viele würden sagen utopische - Gemeinschaft von Bühne und Theatersaal.
      Auf diese Weise geben uns Ariane Mnouchkine und ihre vielen Mitarbeiter am Théâtre du Soleil etwas zurück, das in dieser Zeit der Hoffnungslosigkeit fehlt: Lebensmut, Freude und Mitmenschlichkeit.
Weitere Informationen finden Sie hier: Internationaler Ibsen-Preis.

Ariane Mnouchkine und das Théâtre du Soleil. Foto: Michele Laurent
Ariane Mnouchkine und das Théâtre du Soleil. Foto: (c) Michele Laurent